Auf dem Weg zur Freiheit

Buddhismus – auf dem Weg zur Freiheit

Sind Sie interessiert daran „Buddha persönlich zu begegnen“ und dem von ihm beschrieben spirituellen Weg zu folgen? Dann gibt es noch ein paar Dinge die Sie wissen sollten, bevor Sie sich auf den Weg machen: Buddhismus ist in erster Linie ein Weg, um den eigenen Geist zu studieren, kennen zu lernen und zu schulen. Er ist ein spiritueller, kein religöser Weg. Ziel ist Selbsterkenntnis, nicht Erlösung, Freiheit, statt einem Himmelreich. Der Weg des Buddha stützt sich auf rationales Denken und Analyse, auf Kontemplation und Meditation um bloßes Wissen „über die Dinge“ in ein jedes Verständnis übersteigendes Wissen zu transformieren. Dafür braucht es aufrechte Neugierde und Wissbegierde.

Dzogchen Pönlop Rinpoche | spiritueller Leiter des Kamalashila Instituts in seinem Buch "Rebell Buddha"

Der historische Buddha Shakyamuni

Der historische Buddha Shakyamuni wurde vor circa 2500 Jahren in Lumbini, im heutigen Nepal, im Grenzgebiet zu Indien als Königsohn mit dem Namen Siddartha Gautama geboren. Nach einer behüteten Kindheit wurde er laut Legende durch die Begegnung mit einem Alten, einem Kranken und einem Leichnam mit dem menschlichen Leiden konfrontiert. Statt dieses zu verdrängen, zog er – nachdem er einem Meditierenden begegnet war – aus, um Befreiung davon zu suchen.

Dafür suchte er verschiedene Lehrer auf und unterzog sich sechs Jahre lang zahlreichen Übungen und strenger Askese. Als er aber erkannte, dass er so keine dauerhafte Freiheit vom Leiden erlangen würde und auch alle anderen Wesen nicht würde befreien können, suchte er seinen eigenen Weg.

Nach sechs Tagen und Nächten tiefster Meditation unter einem Bodhibaum im heutigen Bodhgaya realisierte Siddhartha, dass es keine Trennung zwischen den Geschehnissen und dem Erleber gibt; weiterhin, dass es weder ein unabhängiges Ich noch eine davon unabhängig existierende äußere Welt gibt. Von da an wurde Siddhartha „Buddha, der Erwachte“ genannt. Aus Mitgefühl mit allen fühlenden Wesen begann er kurz darauf zu lehren, um auch andere Menschen die Befreiung aus dem Kreislauf des Leidens zu ermöglichen.

Die vier Edlen Wahrheiten

Inhalt einer von Buddhas ersten Belehrungen waren die sogenannten „Vier Edlen Wahrheiten“. Hierbei geht es darum, dass alle Wesen wünschen, dauerhaft glücklich zu sein, es uns aber nicht gelingt. Immer wieder sind wir mit Leiden konfrontiert. Dies zu erkennen ist die Voraussetzung oder Die Erste edle WahrheitAls Ursachen für Leiden werden unheilsame Geisteszustände diagnostiziert: Begierde, Hass, grundlegende Unwissenheit, Neid und Eifersucht.

Mit Verwirrung oder Unwissenheit fängt das Problem an. Damit gemeint ist, dass wir mit unserem nicht erleuchteten Geist die Realität nicht so sehen können, wie sie ist. Wir empfinden uns nicht in Einheit mit unserer Umgebung und nehmen die Welt durch einen dualistischen Filter wahr. Durch diese Sichtweise fühlen wir uns getrennt und allein und haben ein unterschwelliges Mangelgefühl.

Um dieses zu stillen, suchen wir nach Ersatzbefriedigung, zum Beispiel in gutem Essen oder schönen Autos. Besitzen wir jedoch einmal das Objekt unserer Begierde, verlieren wir meist schnell das Interesse oder versuchen festzuhalten, was vergänglich ist. So bleiben wir im Kreislauf des Leidens gefangen, ohne die eigentliche Ursache zu erkennen. 

Das dritte Geistesgift, Aversion bzw. Wut oder Ärger, entsteht wiederum dadurch, dass wir in Ich und Andere unterteilen. Wir haben das Gefühl, dass wir uns gegen die Anderen verteidigen müssen oder unsere aktuelle Situation schlecht ist. Wir leiden am Widerstand gegen das, was gerade ist. Die Zweite Edle Wahrheit spricht also von den Ursachen des Leidens, die nicht in anderen Personen oder äußeren Gegebenheiten, wie mangelndem Reichtum, unliebsamen Nachbarn oder im Alter liegen, sondern in der inneren Einstellung dazu. Daraus folgert der Buddha in Der Dritten Wahrheit, dass das Leiden ein Ende haben kann. Da wir alle die Buddhanatur haben, unser ureigenes Wesen nur verschleiert ist, gehört es nicht zu unserer Natur zu leiden. In Der Vierten edlen Wahrheit erklärt Gautama Buddha den Weg, wie wir das Leiden beenden können.

Der achtfache Pfad

Der achtfache Pfad zeigt uns den Weg zur Befreiung. Man benötigt dafür, kurz gesagt, Weisheit, Ethik und Vertiefungsmethoden. Zunächst müssen wir die Mechanismen des Leidens begreifen, warum und wie es entsteht und wie man es beendet. Man spricht von rechter/vollkommener Einsicht oder rechte/vollkommene „Schau“. Wichtig ist auch der zweite Punkt die rechte/vollkommene Gesinnung. Hier geht es darum, die Motivation unseres Handelns zu hinterfragen. Aus dem gewohnten Opfer-Täterdenken auszubrechen, etwa zu sehen, dass hinter unserer Großzügigkeit beispielsweise die Absicht steckt, sich als besser darzustellen.

Vollkommene Motivation und vollkommene Anschauung werden oft unter dem Überbegriff „Weisheit“ zusammengefasst. Sie sind die Voraussetzungen für Verhaltensänderung. Um dieses neue ethische Verhalten geht es in den Punkten rechte Rede, rechtes Handeln und rechter Lebenserwerb. Sie geben einen Verhaltenskodex, um Leiden zu vermeiden – fremdes und eigenes.

Rechte Rede bedeutet sorgsam mit Sprache umzugehen, beispielsweise nicht zu lügen, niemanden zu beschimpfen oder zu verleumden. Rechtes Handeln meint der Situation angemessen, zum Wohle aller Wesen zu agieren. In klassischem Sinne bedeutet das unter anderem nicht zu töten, stehlen oder Suchtmittel zu konsumieren. Positiv ausgedrückt sollten wir zum Wohl aller Wesen handeln. Wenn wir uns aus reiner Motivation um das Wohl anderer kümmern, lösen wir uns Schritt für Schritt auch aus unserer eigenen leidhaften Egozentrierung.

Um diese neue Lebenseinstellung zu verfestigen und zur Durchbrechung unserer Egoverblendung benötigen wir Techniken zur Vertiefung. Der Buddha empfiehlt rechtes Streben, damit ist der feste Wille gemeint, den Geist zu zähmen. Wir beobachten beispielsweise konsequent unsere Emotionen und können so rechtzeitig Gegenmittel anwenden. Unter Vertiefung fallen auch rechte Achtsamkeit oder Sammlung. Beide stellen Methoden des Bewusstseinstrainings dar und gehen über normales Denken oder Handeln hinaus. Durch Meditation versuchen wir emotionale und mentale Prozesse bewusst wahrzunehmen. Wir achten auf unsere Körperwahrnehmungen und Gefühle, lassen sie kommen und gehen. Wertungsfrei versuchen wir die Natur des Geistes und die Natur aller Dinge zu schauen.

Die verschiedenen Wege des Buddha

Nach seinem Erwachen zog der Buddha etwa 45 Jahre bis zu seinem Tod von Ort zu Ort und gab dort seine Sichtweisen und Erfahrungen weiter. Je nach Situation, Einstellung und Auffassungsgabe der Schüler betonte er unterschiedliche Aspekte seiner Lehre und vermittelte verschiedene Meditationen. Daraus entwickelten sich einige Zeit nach seinem Tod unterschiedliche buddhistische Wege, oft auch „Yanas“ (Fahrzeuge) genannt. Je nach buddhistischer Tradition wird von zwei, drei oder neun Fahrzeugen gesprochen.

Im Hinayana („kleines Fahrzeug“) wird schwerpunktmäßig versucht, die uns an Samsara bindenden Faktoren wie Gier, Eifersucht und Wut zu überwinden, um aus dem Daseinskreislauf der leidvollen Wiedergeburten auszubrechen. Die Betonung liegt auf der Überwindung des Leidens jedes Einzelnen aus eigener Kraft. Durch strikte Disziplin und ethisches Betragen wird der Geist gezähmt und so ein individuelles Erwachen möglich.

Auf das Wissen um das eigene Leid aufbauend, wird im Mahayana („großes Fahrzeug“) die Motivation alle Wesen aus Samsara zu befreien, betont. Liebe und Mitgefühl werden als Kerntugenden betrachtet. Die Bedürfnisse Anderer sind vorrangig zu behandeln, nicht aus Selbstverleugnung, sondern aus Mitgefühl. Unsere Welt wird als traumgleich angesehen und die Natur aller Erscheinungen als leer. Das Ergebnis dieses Weges ist die Buddhaschaft.

„Vajrayana“ kann übersetzt werden mit unzerstörbarem Fahrzeug. Unzerstörbarkeit bezieht sich hier auf die Entdeckung unseres natürlichen, erwachten Geisteszustands, auch „Vajranatur“ genannt. Diese durchdringt alle unsere Erfahrungen. Bevor eine Praxis aus dem Vajrayana ausgeübt werden kann, ist ein gutes Verständnis der Sichtweisen des Hinayana und des Mahayana empfehlenswert.

Literaturempfehlung

Dzogchen Pönlop Rinpoche, Rebell Buddha.
Verlag Knaur Taschenbuch, 12,99 Euro. ISBN 3426291908

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