S.H. der XVII. Karmapa

Seine Heiligkeit der XVII. Karmapa Ogyen Trinley Dorje

The world we live in is getting smaller and people’s actions have tremendous impact. In the era in which we live people cannot get away with clinging to their beliefs. I don’t have any personal attachment or clinging to being a Buddhist. We need to step outside the boundaries of Buddhism and really go out and share the benefits of our Buddhist practice with the rest of the world.

S.H. der XVII. Karmapa | Seattle, 2008

„Karmapa“ bedeutet auf tibetisch: derjenige, der die Aktivitäten der Buddhas ausführt. Der erste Karmapa Düsum Khyenpa (1110 – 1193) hinterließ als erster genaue Angaben zu seiner eigenen Wiedergeburt, sodass sein Herzensschüler die Reinkarnation finden konnte. Damit führte Karmapa vor circa 900 Jahren das sogenannte Tulku System ein – das bewusste Reinkarnieren und Wiedererkennen hoher buddhistischer Lehrer. Alle Karmapas waren Meister von herausragender Qualität und Reichweite. Sie wurden nicht nur von den Tibetern und den Menschen der ganzen Himalaya-Region verehrt, sondern auch von den Vertretern anderer Schulen des tibetischen Buddhismus hoch geachtet. Einige Karmapas waren sogar Lehrer mongolischer und chinesischer Kaiser. Als der XVI. Karmapa aus Tibet nach Sikkim floh, schenkte ihm der dortige König Land. Darauf entstand Kloster Rumtek, der Exilsitz des XVI. Karmapa.

S. H. der XVII. Karmapa Ogyen Trinley Dorje wurde 1985 als Kind einer Nomadenfamilie in Ost-Tibet geboren. Er wurde anhand der Instruktionen des Prophezeihungsbriefs des XVI. Karmapa gefunden. Die Identität der Wiedergeburt wurde nicht nur von Tai Situ Rinpoche und Gyaltsab Rinpoche, den Linienhaltern und Herzenssöhnen des XVI. Karmapa, sondern auch von S.H. dem XIV. Dalai Lama bestätigt. 1992 wurde Karmapa schließlich in Tsurphu, dem traditionellen Sitz der Karmapa-Linie in Tibet, inthronisiert. Schon in frühen Jahren zeigte sich, dass er ein großer und gelehrter Meister werden würde, wie alle anderen Karmapas vor ihm. Bereits im Alter von 8 Jahren gab er seine erste öffentliche Einweihung und er meisterte bald alle Lehren und Praktiken, die die Mönche in Tsurphu ihm vermitteln konnten. Auch begann er damit, selbst die Reinkarnationen anderer bedeutender Kagyü-Lamas zu erkennen, wie z. B. die von Jamgön Kongtrul Rinpoche. Auch fing er an, die Renovierung des Klosters Tsurphu zu leiten und ließ dort auch eine Klosteruniversität (Shedra) bauen. Gleichzeitig übernahm er die Führung der Karma-Kagyü-Klöster und Zentren in der ganzen Welt. Der junge Karmapa wurde nicht nur zu einem Magnet für Tibeter, sondern auch für Schüler und Anhänger aus vielen fremden Ländern.

Im Alter von 14 Jahren beschloss Karmapa, die sehr gefährliche und schwierige Flucht aus Tibet nach Indien zu wagen. Dieses Risiko ging er ein, weil es ihm nicht erlaubt war, seine Lehrer aus Indien zu sich nach Tibet zu holen, was seine Ausbildung behinderte. Des Weiteren sah Karmapa voraus, dass er in Zukunft von chinesischer Seite gegen S. H. den XIV. Dalai Lama ausgespielt werden sollte.

Die Welt staunte nicht wenig, als der 14-jährige Karmapa im Januar 2000 in Dharamsala eintraf und Zuflucht zu Füßen S.H. des XIV. Dalai Lama suchte. Die Regierung und die indische Bevölkerung nahmen ihn als Ehrengast auf und seit dieser Zeit lebt Karmapa im Kloster Gyuto bei Dharamsala. Dort erhielt er eine traditionelle monastische Ausbildung und alle notwendigen Übertragungen unter der Leitung von Kagyü-Meistern und S.H. des XIV. Dalai Lama, der Khenchen Thrangu Rinpoche zu seinem wichtigsten Tutor ernannte.

Karmapa übernahm schon sehr früh die Verantwortung für die Karma-Kagyü-Schule. Innerhalb kurzer Zeit bewirkte er viele Reformen und Fortschritte für das Studium und die Disziplin der Karma-Kagyü-Klöster. Als hauptsächliche Plattform seiner Aktivitäten wählte er das Kagyü Mönlam. Das jährliche Gebetsfest in Bodhgaya zieht tausende Mönche, Nonnen und Laienanhänger aus der ganzen Welt an. Das Internationale Kagyü Mönlam Chenmo ist nicht nur wegen seiner in 12 simultan Sprachen übersetzten inspirierenden Gebete und Unterweisungen bekannt, sondern auch wegen der dort praktizierten Disziplin und der internationalen Beteiligung. Karmapa begann damit, dass er die Mönche und Nonnen darin unterwies, wie sie sich kleiden, setzen, bewegen und korrekt verneigen sollten. Darauf folgten Anleitungen für Meditation, Praxis und Gebet.

2007 bat Karmapa seine Klöster, nachdem er sich selbst bereits mehrere Jahre vegetarisch ernährt hatte, kein Fleisch mehr anzubieten. Karmapa erklärte, dass es für die Entwicklung von wahrem Mitgefühl und zur Reduktion von Leiden nötig sei, dies auch praktisch umzusetzen. Am Ende seiner Unterweisung hoben tausende Mönche, Nonnen und Laien die Hände, um sich zu verpflichten, Vegetarier zu werden. Dies ist ein gutes Beispiel dafür, dass Karmapa lehrt, indem er selbst Vorbild ist.

2014 hat Karmapa eine historische Entwicklung zur Stärkung der Frauen im tibetischen Buddhismus in Gang gesetzt, indem er zunächst ein jährliches „Arya Kshema“, ein Winter Dharma Treffen für Karma-Kagyü-Nonnen einführte. Dadurch verbesserte Karmapa die Ausbildung der Nonnen. Rund 300 Karma-Kagyü-Nonnen nahmen daran teil. Sie debattierten nicht nur erstmalig, sondern übernahmen auch selbst alle Aktivitäten wie das Anleiten von Ritualen, Rezitationen und das Disziplinieren der ganzen Versammlung, was bisher nur Mönchen vorbehalten war. Anfang 2015 hat S. H. der XVII. Karmapa nun erklärt, dass der Prozess zur Einführung einer vollen Ordination für Frauen 2016 beginnen wird. Damit beendete er eine jahrelange Debatte, ob und wie die volle Ordination für Nonnen im tibetischen Buddhismus reinstalliert werden kann.

Seine Heiligkeit der XVII. Karmapa 2015 in Bonn

Karmapa betrachtet den Schutz der Umwelt als gleichbedeutend mit Dharmapraxis. Er wünscht sich, dass buddhistische Klöster Umweltprojekte anleiten, zumal sich die Himalaya Region zunehmend mit enormen Folgen der Klimaveränderung konfrontiert sieht. 2009 gründete S. H. „Khoryug“ (tibetisch: Umwelt), einen Zusammenschluss von öko-buddhistischen Klöstern im Himalaya, den Karmapa selbst leitet. Das Netzwerk besteht aus über 55 buddhistischen Mönchs- und Nonnenklöstern, die Umweltschutzprojekte in der Himalaya Region einführen. Er hat Umweltschutzrichtlinien für die Karma Kagyü Gemeinschaft und ein beliebtes Buch mit dem Titel: „108 Dinge, die Du tun kannst, um die Erde zu schützen“ herausgegeben. Auch ermutigt Karmapa Menschen besonders in den Industrieländern, weniger Ressourcen zu verwenden und ein einfacheres Leben zu führen.

Karmapa ist ein regelmäßiger und gerne gesehener Gast in tibetischen Schulen und Universitäten. Er wurde sowohl zum Vorbild für Mut, Hingabe und starke Bewahrung authentischer Traditionen, als auch für seine Offenheit für positive moderne Einflüsse – auf Tibeter und Jugendliche im Besonderen. Aus den Gesprächen zwischen Karmapa und der jüngeren Generation sind zwei wichtige Bücher hervorgegangen: „Die Zukunft ist jetzt“ und „Das edle Herz“. Karmapa hat immer wieder betont, dass er eine starke Verbindung zu Jugendlichen empfindet und gerne mit ihnen diskutiert und im Dialog ist.

In seinem Vorgehen ist er sowohl traditionell, authentisch als auch innovativ und künstlerisch. So führte er z. B. im Januar 2014, in Bodhgaya, den Guru Padmasambhava Lama Tanz exakt, authentisch und traditionell auf. Gleichzeitig jedoch lud er Nonnen ein, an den heiligen Tänzen teilzunehmen, was vorher in der Karma-Kagyü-Tradition nicht möglich war! Die Tänze gehören zu den segensreichsten und prächtigsten Aufführungen der tibetisch-buddhistischen Kultur. Passend zu seinem Engagement und seinen Visionen nennen die Tibeter den Karmapa „Stern Tibets“.

Karmapa ist nicht nur ein Gelehrter und Meister in allen Bereichen tibetisch-buddhistischer Studien, auch seine Gedichte, Gemälde, Kalligraphien sowie seine Theaterstücke und Lieder, die er mit den Künstlern des Tibetan Institute of Performing Arts (TIPA) aufführt, finden große Anerkennung. Er studiert mit Interesse Sprachen und Kulturen unterschiedlicher asiatischer und westlicher Zivilisationen und lernt Sanskrit, Hindi, Chinesisch, Koreanisch, Vietnamesisch und Englisch. Auch ist Karmapa sehr an modernen Wissenschaften interessiert und hat aktiv an den „Mind and Life“-Konferenzen mit S.H. dem Dalai Lama teilgenommen.

S.H. der XVI. Karmapa besuchte zahlreiche Orte in Europa und Amerika und gründete dort viele Karma-Kagyü-Gruppen und Zentren. Seine Anhänger und Unterstützer baten nun den XVII. Karmapa wiederholt, sie zu besuchen. Im Mai 2008 unternahm er seine erste Reise in den Westen, in die USA, wo er in vielen Dharmazentren und öffentlichen Veranstaltungsräumen lehrte. 2011 sowie 2015 konnte Karmapa die Vereinigten Staaten erneut besuchen.

2014 reiste S. H. der XVII. Karmapa auf Einladung des Kamalashila Instituts und der Karma Kagyü Gemeinschaft zum ersten Mal nach Europa. Womit er sich einen lang gehegten Wunsch erfüllte. Wie sein Vorgänger spürt Karmapa eine starke persönliche Verbindung zu diesem Kontinent. Er sagt oft, in einer seiner früheren Inkarnationen habe er als Bauer in Europa gelebt. Sein erstes Ziel war sein Hauptsitz in Europa, das Kamalashila Institut in Deutschland, dessen Stupa Karmapa weihte. In einer Veranstaltungshalle am nah gelegenen Nürburgring gab Karmapa dann 3 Tage lang vor Publikum aus der ganzen Welt wertvolle Dharma-Teachings und Einweihungen. Anschließend besuchte S. H. die Bundeshauptstadt Berlin und lehrte dort weitere 4 Tage lang.

Schon 2015 konnte Karmapa auf erneute Einladung des Kamalashila Instituts und der Karma Kagyü Gemeinschaft wieder nach Deutschland Reisen und Vorträge und Ermächtigungen in der nahe gelegenen Bundesstadt Bonn geben.

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